Unser Zuchtprogramm

Ziel des Zuchtprogrammes ist, aus den genetisch hochwertigsten Tieren einerseits die nächste Bullengeneration zu generieren, andererseits aber die Zuchtbasis mit besten weiblichen Tieren aus diesen Paarungen auszubauen.

Das Zuchtprogramm ist abgestimmt mit der Zuchteinheit VFR (Vereinigung zur Förderung der Rinderzucht), in der unser Zuchtverband zusammen mit den Zuchtverbänden Oberpfalz (Schwandorf), Franken (Ansbach-Würzburg) und Oberfranken (Bayreuth) sowie den Besamungsstationen Höchstädt, Neustadt und Marktredwitz-Wölsau ein gemeinsames Zuchtprogramm durchführt.
Die Durchführung des Zuchtprogrammes und Selektionsarbeit obliegt dem Fachzentrum für Rinderzucht am AELF Wertingen.
Im Zuchtprogramm greifen verschiedene Maßnahmen in den verschiedenen Selektionsstufen ineinander:

Gezielte Paarung - Bullenmutterauswahl

Innerhalb des Zuchtprogrammes ist seit vielen Jahren die Gezielte Paarung die bedeutendste Säule. Mit ca. 300 Bullenmüttern sind nach einer strengen Selektion in Bezug auf Leistung, Zuchtwert und Exterieur in der ersten Selektionsstufe ca. 0,7% des Herdbuchbestandes ausgewählt.
Diese werden mit den besten Bullen der gesamten Fleckviehpopulation unter Berücksichtigung einer breit gefächerten Blutlinienführung gezielt angepaart. Bei der Auswahl der männlichen Paarungspartner nach jeder Zuchtwertschätzung werden neuerdings auch genomische Jungvererber zu einem Anteil von ca. 30% eingesetzt. Die daraus geborenen männlichen Kälber werden nach einer nächsten Selektionsstufe der genomischen Untersuchung unterzogen.

Innovatives Zuchtprogramm (IZP)

Im Innovativen Zuchtprogramm gilt es einerseits, den Zuchtfortschritt über die Verkürzung des Generationsintervalles zu beschleunigen. Deshalb liegt die Selektionsbasis für dieses Programm bei den jungen Bullenmüttern mit dem 1. oder 2. Kalb, aber auch schon bei sehr hoffnungsvollen Jungrindern aus bewährten Kuhlinien.
Über Embryotransfer kann die Selektionsschärfe auf der weiblichen Seite weiter erhöht und dadurch die zweite Zielsetzung erreicht werden.
Um gleichzeitig auch die Kriterien Langlebigkeit und genetische Vielfalt im Zuchtprogramm zu berücksichtigen, können und sollen auch Embryotransfers bei älteren bewährten Kühen unter besonderer Berücksichtigung der Kuhlinie integriert werden.
Als Zielgröße werden 20 Embryotransfers im IZP anvisiert.
Innerhalb der Zuchtverbände der VFR wurden dabei folgende einheitlichen Fördersätze für Embryotransferspülungen im Zuchtprogramm vereinbart:

Förderung des Embryotransfers im Zuchtprogramm bei:

  • erfolgreicher Spülung: 350,- €
  • Nullrunde 250,- €
  • Abbruch vor Spülung 150,- €
Zusatzförderung der VFR bei der Spülung von Jungkühen 100,- €

Fördervoraussetzungen:

  • Auswahl des Spendertieres und des verwendeten Besamungsbullen durch die Zuchtleitung
  • Übertragungsfrist: mindestens 6 Embryonen müssen innerhalb 8 Wochen übertragen sein
  • Die geborenen Kälber müssen für die genomische Untersuchung auf Anweisung der Zuchtleitung zur Verfügung stehen.
  • Vermarktung der Kälber bzw. Embryonen über den Zuchtverband Wertingen

Paarungsempfehlungen für Jungrinder und Jungkühe

Ziel des Programmes ist, insbesondere im Jungrinderbereich über den Gezielten Einsatz von Spitzenbullen den reinen „Kalbinnenbulle“ mit nur mittlerem Leistungshintergrund zu verdrängen. Aber auch bei ausgewählten Jungkühen mit guten Zuchtwerten und entsprechender Leistung gilt es, anstelle des Prüfbullen aktuelle Spitzenvererber einzusetzen.
Auf diese Weise steht auch das erste und zweite Kalb einer Kuh bereits voll für die Prüfbullenrekrutierung zur Verfügung.
In der üblichen Bullenmutterauswahl nach der ersten Laktation hat die Zucht erst Zugriff auf das dritte Kalb.
Seit Einführung der genomischen Selektion ist die züchterische Arbeit in dieser Altersgruppe noch bedeutender geworden. Jungrinder und Jungkühe tragen die aktuellste Genetik in sich. Die Bereitstellung von möglichst vielen männlichen Kälbern mit großer genetischer Vielfalt für die genomische Untersuchung ist daher erfolgsbestimmend für unser Zuchtprogramm.
Der Züchter erhält rechtzeitig zur ersten Besamung des Jungrindes bzw. zur ersten Kalbung per Post eine Information mit allen wichtigen Daten des ausgewählten Tieres sowie einer Anpaarungsempfehlung mit einer Auswahl von vier aktuellen Bullen aus der Gezielten Paarung.
Der Züchter soll dann unter Berücksichtigung der Blutlinie und der Stärken und Schwächen des betreffenden Tieres bzw. der betreffenden Kuhlinie den Bullen auswählen, der am besten auf das betreffende Jungrind bzw. die Jungkuh passt.
Geborene männliche Kälber aus diesen Anpaarungen sollen sofort an den zuständigen Fachberater gemeldet werden, damit nach Begutachtung sofort die genomische Untersuchung eingeleitet werden kann.
Das Programm hat mittlerweile schon reiche Früchte getragen. In Verbindung mit der genomischen Selektion wird die Bedeutung junger Tiere als Bullenmütter im Zuchtprogramm weiter zunehmen. Die Anpaarungsempfehlungen für Jungrinder und Jungkühe müssen daher konsequent beachtet und noch weiter ausgebaut werden.

Genomische Selektion

Der Zuchtverband Wertingen fördert die genomische Untersuchung mit erheblichen finanziellen Mitteln. Von der Zuchtleitung selektierte Kälber werden auf Kosten des Zuchtverbandes typisiert.
Nach Vorliegen des Untersuchungsergebnisses werden die für den Besamungs- und Natursprungeinsatz geeigneten Kälber in die Aufzucht überstellt.
Im Rahmen des „Fleckviehzuchtprogramm Bayern“, bei dem eine teilweise Refinanzierung der Untersuchungskosten durch Besamungsstationen und Deckbullenkäufer erfolgt, sind diese Tiere vertraglich gebunden.
Pro Jahr werden ca. 400 männliche Kälber genomisch typisiert. Im Rahmen des Innovativen Zuchtprogrammes wird im Falle von Embryotransfer bei Jungrindern eine genomische Untersuchung vorgeschaltet.

Prüfbullenselektion

Die Selektion der Prüf- bzw. Ersteinsatzbullen erfolgt grundsätzlich bei der Körung im Rahmen der Zuchtviehauktion. Es ist von einer Selektionsquote von etwa 1:15 - 1:20 auszugehen, das heißt von 400 untersuchten Kälbern werden ca. 20-25 als Bullen für den Besamungseinsatz angekauft.