Präzision gefragt
Effiziente Mineraldüngung - Potenziale erkennen und nutzen

Traktor fährt auf Wiese, die mit Absperrband getrennt ist.

Rund 45 Landwirte folgten im Juni 2018 dem Ruf vom Maschinenring Dillingen und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Wertingen auf den Nordfelderhof zum Feldtag "Effiziente Mineraldüngung - Potenziale erkennen und nutzen".

Das Thema hat mit der neuen Düngeverordnung große Bedeutung erhalten, da das übergeordnete Ziel die effizientere Ausnutzung der eingesetzten Nährstoffe ist. Was an der einen Stelle zu viel gedüngt wird, fehlt anderswo auf dem Betrieb, da die gesamte erlaubte Düngung durch den Ertrag gedeckelt ist. Eine nicht optimierte Ausbringung von Nährstoffen belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes, da der maximale Ertrag nicht erzielt werden kann.
Kurt Eger-Benninger - Wasserberater der nordschwäbischen Landwirtschaftsämter
Bei den meisten Betrieben im Landkreis erfolgt der überwiegende Teil der Düngung über Gülle, die Ergänzung über Mineraldünger soll nur die zu einem guten Ertrag fehlenden Nährstoffdefizite ausgleichen. Wie Oberflächengewässer vor einem Zuviel geschützt werden können, darauf ging Kurt Eger-Benninger, Wasserberater der nordschwäbischen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ein. Er hob die Bedeutung von Pufferstreifen zwischen Ackerland und Gewässern hervor. Zum einen erfolgt eine Anrechnung auf das verpflichtende Greening, zum anderen ist auch eine attraktive Förderung aus dem bayerischen Kulturlandschaftsprogramm möglich. Der gesetzlich geforderte Abstand zu Gewässern bei Düngung und Pflanzenschutz lässt sich so leicht einhalten.
Richtige Einstellung der Düngerstreuer und die Qualität von Mineraldüngern ist wichtig
Adrian Urban, Regionalvertreter eines weltweit aktiven norwegischen Düngemittelherstellers konzentrierte sich in seinem Beitrag auf die richtige Einstellung der Düngerstreuer und die Qualität von Mineraldüngern. Ein in jede Richtung waagrecht angebautes Streugerät ist absolute Grundvoraussetzung für eine möglichst gleichmäßige Verteilung. Tipps gab er auch zum Streuen entlang von Grenzen; er empfiehlt das Streuen von außen nach innen, damit nichts beim Nachbarn oder im Graben landet und damit auch am Feldrand ein voller Ertrag erzielt wird. Bei einer Schlaggröße von drei Hektar ist immerhin etwa ein Sechstel der Fläche "am Rand".
Qualitativ guter Mineraldünger zeichnet sich durch harte, gleichmäßig große und runde Körner aus. Um Qualitätsverluste durch Feuchte zu verhindern, empfiehlt er beschichtete Big Bags für Transport und Lagerung. Wie gut ein Düngerstreuer eingestellt ist und ob die Qualität des Düngers stimmt, kann am besten festgestellt werden, indem man über Streuschalen, die man auf einer Versuchsfläche auslegt, düngt. Zur Eigenkontrolle empfiehlt er dies immer wieder mal zu wiederholen, natürlich nicht ohne vorher die neuesten Daten zum Streuverhalten verschiedener Dünger in den Streuern der verschiedenen Fabrikate und die dazu passenden Geräteeinstellungen im Internet abgefragt zu haben.
Aus Satellitendaten den Düngebedarf ermitteln
Andreas Höscher und Michael Endrös, Vertreter zweier miteinander im Wettbewerb stehender namhafter deutscher Hersteller von Geräten zur Mineraldüngung konnten den Landwirten ein breites Spektrum an technischen Lösungen für eine gleichmäßige Ausbringung aufzeigen. Langfristig könnte es Standard werden, aus Satellitendaten den Düngebedarf an die Software am Gerät weiter zu geben. Das GPS-gesteuerte Gerät passt dann sehr kleinteilig die abgegebene Düngermenge im Sekundentakt an. Dies ist keine Zukunftsmusik; die Kosten und die Anforderungen an den Benutzer sind jedoch nicht zu unterschätzen. Andererseits muss jedem Ackerbauer, sofern er keine Gülle zur Verfügung hat, bewusst sein, dass er etwa 20 % seines Ertrages für Mineraldünger ausgibt.
Präzises Streuen erfordert viel Fingerspitzengefühl
Nachmittags wurde die Theorie zur Düngerverteilung auf einer frisch gemähten Wiese des Hausener Landwirts Markus Launer in der Praxis mit Streuschalen überprüft. Die Streuschalen werden im gleichen Abstand über die Arbeitsbreite verteilt aufgestellt. So lässt sich einfach das Streubild des Mineraldüngers überprüfen. Natürlich waren die beiden auf dem neusten technischen Stand befindlichen Düngegeräte der beiden renommierten Firmen, was Gleichverteilung anging, überlegen. Doch auch ein schon seit vielen Jahren im Praxiseinsatz bewährtes Gerät schnitt nicht ganz schlecht ab; schließlich war es präzise angebaut und eingestellt.
Gezeigt werden konnte auch, dass ein präzises Streuen an einer simulierten Grenze viel Fingerspitzengefühl erfordert. Pflanzenbauberater Stephan Haase am AELF Wertingen betonte in diesem Zusammenhang die Auflagen hinsichtlich der neuen Düngeverordnung. Diese besagen, dass eine Fläche von 4 m Breite zur Feldstücksgrenze an einem Gewässer nicht gedüngt werden darf, um einen Eintrag von Nährstoffen zu vermeiden. Ist die Streubreite gleich der Arbeitsbreite, so verringert sich der Abstand auf 1 m zur Feldstücksgrenze bzw. zur Böschungsoberkante eines Gewässers. Dieses lässt sich durch sogenannte Grenzstreueinrichtungen ermöglichen, die heutzutage Stand der Technik sind.