Schulmilchtag auf dem Bio-Milchviehbetrieb

Cola oder Milch? Während viele Kinder eher zu dem süßen Brausegetränk neigen, ist die Sache für die staatliche Ernährungsberatung klar. Bei der Schulmilchaktion im Oktober 2018 auf dem Bio-Milchviehbetrieb der Familie Schaflitzel in Blindheim wies Monika Weber vom AELF Wertingen auf die Bedeutung der Milch für eine ausgewogene Ernährung hin.

Nachdem der Pro-Kopf-Milchverbrauch in Bayern in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist, gilt es die Wertschätzung für dieses hochwertige Lebensmittel neu zu beleben, und zwar am besten gleich von Kindesbeinen an. Auf dem Betrieb Schaflitzel erfuhren jetzt 35 Mädchen und Buben aus dem Kindergarten Blindheim, woher die Milch kommt und was sie so wertvoll macht.
Obwohl die drei- bis sechsjährigen Kinder mehr als brav waren, hatte Jungbauer Johannes Schaflitzel seine liebe Not, ihre ganze Aufmerksamkeit zu bekommen. Viel interessanter als die Ausführungen des Landwirtschaftsmeisters zur Fütterung der Kühe war es für die Mädchen und Buben ihnen beim Fressen des frischen Grases zuzuschauen. Im Stall mit Auslauf stehen nämlich 28 Fleckviehkühe, während das Jungvieh gerade auf der Weide ist. "Weil unser Hof mitten im Dorf liegt, können wir unseren Milchkühen leider keinen Weidegang bieten", bedauert der 24-Jährige. "Der Aufwand, sie durch das Dorf zu treiben, wäre einfach zu groß."
Futter von eigenen Flächen
So müssen sich die Tiere mit dem überdachten Auslauf begnügen, wo ihnen auch das Futter vorgelegt wird. Dafür steht den Kühen im Stall und beim Fressen ausreichend Platz zur Verfügung. Für die 28 Tiere gibt es 39 Fressplätze und 36 eingestreute Tiefboxen. Das Futter wird ausschließlich auf eigenen Flächen angebaut, zugekauft werden nur Mineralfutter und Salz. Zum Betrieb hören 27 ha Acker- und 31 ha Grünland, von denen rund 10 ha als Naturschutz- und Biotopflächen ausgewiesen sind, erklärt Johannes Schaflitzel. "Im Pflanzenbau legen wir neben Kleegras, Wintergerste, Triticale, Ackerbohnen und Mais für das Vieh unser Augenmerk hauptsächlich auf die Produktion von Konsumware wie Dinkel und Winterweizen. Die Ackerbohnen, die wir nicht als Eiweißkomponente im Viehfutter benötigen, werden verkauft." Der Anbau von Futtergetreide und Mais erfolgt nur auf insgesamt 5 ha.
Familie Schaflitzel will mehr auf die Langlebigkeit, Vitalität und Gesundheit der Kühe legen
Heuer hat die Familie Schaflitzel in eine Heutrocknung investiert. "Ab nächstem Jahr wollen wir keine Silage mehr, sondern nur noch Heu und Gras füttern und Bio-Heumilch an die Molkerei Zott liefern." Auf Kraftfutter will Johannes Schaflitzel, wenn möglich, später einmal verzichten. Die durchschnittliche Milchleistung liegt derzeit bei rund 8.000 kg. Darüber ist der Junglandwirt aber nicht glücklich. "Mir ist diese Milchmenge zu hoch, ich möchte mit der Leistung eher runterfahren und meinen Fokus noch mehr auf die Langlebigkeit, Vitalität und Gesundheit der Kühe legen."
Dass das der Familie Schaflitzel schon bisher recht gut gelungen ist, zeigt sich im durchschnittlichen Abgangsalter der Kühe von acht Jahren. Die weibliche Nachzucht verbleibt am Hof oder wird als Jungkühe an Biobetriebe verkauft. Die männlichen Tiere vermarktet die Familie im Alter von acht Wochen an konventionelle Betriebe. Leider fehle es an Bio-Bullenmästern und „das ist sehr schade“. Schaflitzel wünscht sich, dass mehr Berufskollegen in diesen Bereich einsteigen.
Rohmilchautomat für den Verbraucher
Seit 2001 steht auf dem Betrieb ein Rohmilchautomat für die Verbraucher zur Verfügung. Mit täglich rund 15 Litern verkaufter Milch sei der Andrang eher mäßig. „Wenn man bedenkt, dass es in Blindheim 200 Haushalte gibt, müssten wir am Automaten deutlich mehr Milch verkaufen", sagt Betriebsleiter Ludwig Schaflitzel. Offenbar trinke die Bevölkerung doch weniger Milch, als angenommen wird. "Oder sie kaufen die Milch eben im Supermarkt. Für viele Verbraucher ist es vermutlich zu umständlich, nur wegen der Milch extra zu unserem Biobetrieb zu fahren."
Wie gut frische Biomilch schmeckt, konnten die Mädchen und Buben aus dem Blindheimer Kindergarten testen. Nach der Stärkung mit Kräuterquarkbrötchen durften die Kinder zum Melkstand, wo ihnen Ludwig Schaflitzel und sein Sohn Johannes zeigten, wie das mit dem Melken denn nun funktioniert. Das Highlight des Vormittags war aber – wie immer auf Milchviehbetrieben – das Streicheln der Kälber.
Aufklärung für den Verbraucher ist wichtig
Hofnachfolger Johannes Schaflitzel liegt die Aufklärung der Verbraucher am Herzen. "Auch wenn die Kleinen es noch nicht so mitbekommen, ist es mir wichtig, ihnen aufzuzeigen, dass ein Betrieb auch mit nur 28 Milchkühen gut leben kann." Die Devise "Wachsen oder Weichen" lässt der Landwirtschaftsmeister, der einen Teil seiner Ausbildung auf einem Demeter-Betrieb absolviert hat, nicht gelten.
Elektroauto und Photovoltaik
Nicht nur mit ihrem bereits 27 Jahre währenden ökologischen Landbau trägt die Familie zum Klimaschutz bei. Auf dem Hof steht ein Elektroauto und die Stalldachflächen sind mit einer 40 kW/h-Photovoltaikanlage bestückt. 20 KW sind für den Eigenbedarf, der Rest wird in das öffentliche Netz eingespeist. Mit einer 100 kW/h-Hackschnitzelanlage beheizen die Schaflitzels sowohl ihr eigenes wie auch das Nachbarhaus. "Die mit der Anlage jährlich produzierte Wärmeenergie von 70 kW/h entspricht einer Heizöleinsparung von rund 7.000 Litern", betont Ludwig Schaflitzel.
Der Betriebsleiter ist auf dem Hof eher der Techniker und Bastler. Sein Sohn Johannes geht derweil in seiner Arbeit als Bauer auf. "Ich habe den Betrieb zwar noch nicht übernommen und ich reiße mich auch nicht darum, denn meine Eltern lassen mir weitgehend freie Hand, sei es beim Ackerbau oder Viehverkauf." Das zum Betrieb gehörende Gasthaus, das nur noch auf Vorbestellung geöffnet ist, sei nicht so sein Ding. "Ich arbeite lieber mit den Tieren und auf dem Feld." Für die nahe Zukunft will sich der Junglandwirt mit dem Anbau von Sojabohnen oder Zuckerrüben beschäftigen.
Bericht und Bilder von Patrizia Schallert