Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, Wertingen
Rotweinflecken? Wachsflecken? So wird alles wieder sauber

Fleckentfernung

Wachs auf der Tischdecke, Rotwein am Hemd – in der Landwirtschaftsschule experimentiert man mit Hausmitteln und Handelsprodukten. Die Ergebnisse sind interessant.

Wie herrlich war doch das Weihnachtsfest. Kerzen tauchten alles in romantisches Licht, die Weihnachtsgans schmeckte köstlich, und auch der Rotwein mundete vorzüglich. Doch kaum sind die Feiertage vorbei, folgt oft die zweite Bescherung: Wachskleckse auf der kostbaren Tischdecke, Rotweinspritzer auf dem weißen Hemd und braune Kaffeeflecken obendrein. Oh Schreck, wie entfernt man die unschönen Überbleibsel von Weihnachten bloß wieder?
Was geht mit Salz, Weißwein und Essigwasser?
In der Wertinger Teilzeitschule am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gab es dazu im Dezember 2019 eine bemerkenswerte Lehrstunde, selbst für erfahrene Hausfrauen. Die angehende Fachlehrerin Lisa Krammel griff dabei tief in die Trickkiste. Am Morgen hatte sie schon Stoffe mit Rotwein und Kaffee beschmutzt. Und weil Probieren über Studieren geht, dürfen ihre Studierenden selbst Versuche durchführen und experimentieren.
Während eine Gruppe versucht, die Flecken mit handelsüblichen Produkten zu entfernen, verwendet die zweite Gruppe ausschließlich Hausmittel wie Salz, Weißwein und Essigwasser.
Ein hartnäckiges Gerücht wird gleich ausgeräumt
Die Ergebnisse im Vergleich räumen dabei gleich mit einem hartnäckigen Gerücht auf: Dass Rotweinflecken am besten mit Salz verschwinden, stimmt demnach nicht. Ein Weißwein übertrumpft das Salz in seiner Wirkung wesentlich. Katharina Röger aus Schretzheim stellt außerdem fest: "Das Einreiben mit Salz ist eine kleine Sauerei." Salz sei zwar immer im Haushalt vorhanden, aber man brauche für einen großen Fleck eine große Menge davon. Beim Reiben können zudem Textilfasern verletzt werden. Dagegen lasse sich die Fleckenbehandlung mit Weißwein sehr leicht durchführen. Am Ende hat sich der Rotweinfleck fast in Luft aufgelöst. Der mit Salz behandelte Stoff weist immer noch hässliche rote Flecken auf.
Essigwasser erfolgreich bei Kaffeeflecken
Vor Kaffeeflecken braucht man sich überhaupt nicht zu fürchten. Ob Fleckenzwerg mit Aktiv-Sauerstoff oder Essigwasser - beide Behandlungsarten sind erfolgreich, wie Versuche in der Teilzeitschule zeigen. Wobei das Hausmittel am Ende mehr punktet. "Der Fleckenzwerg kostet mehr Geld und kann wegen seiner chemischen Dämpfe gesundheitsgefährdend sein", klärt Studierende Sandra Schwarzbart mit ihrem Vortrag auf.
Flecken sollten nicht eintrocknen
Eine Regel sollte man grundsätzlich immer beachten: Je frischer die Flecken sind, umso einfacher lassen sie sich entfernen. Lisa Krammel: "Die Flecken dürfen nicht eintrocknen, sonst wird die Entfernung schwieriger." Mit ein paar Tricks lassen sich hartnäckige Wachsflecken ebenfalls auf natürlichem Wege gut beseitigen: Das Wäschestück kurz im Tiefkühlschrank anfrieren; danach kann das Wachs leicht abgezogen werden. Das Ausbügeln zwischen Geschirrtüchern und Löschpapier gelingt ebenfalls gut. Das Wachs schmilzt bereits ab 40 Grad Celsius. Zum Schutz von Bügeleisen und Bügelbrett sollten Geschirrtücher und ein Löschblatt verwendet werden.
Bei der Ausbildung zur "Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung" steht im Fach "Haus- und Textilpflege" die Nachbehandlung von Wäsche ebenso im Lehrplan wie die Fleckenentfernung als Vorbehandlung. Im Handel gibt es unzählige Mittel, die Textilien einen extra Halt geben oder weich und duftend machen – Weichspüler, Sprühstärke und Stärkepulver, Imprägnierung, Bügelhilfe und Hygienespüler. Das Fazit zieht Lisa Krammel am Ende ihrer Lehrstunde so: "Auf solche Mittel kann weitgehend verzichtet werden. Denn diese belasten nicht nur Flüsse und Seen, sondern können auch die Haut reizen."
Wer nachhaltig wäscht, schont nicht nur die Umwelt und den Geldbeutel
Das Bundesumweltamt rät ebenfalls dazu, mit Wäsche nachhaltig umzugehen. In Deutschland werden jährlich 630.000 Tonnen Waschmittel verbraucht, bei Weichspülern und Wäschepflegemitteln liegt der Verbrauch bei 220.000 Tonnen. Wer nachhaltig wäscht, tut der Umwelt und seiner Gesundheit etwas Gutes und schont gleichzeitig die Haushaltskasse durch geringeren Verbrauch von Strom, Wasser und Reinigungsmittel.
Bericht von Bärbel Schön, Augsburger Allgemeine