Mit Simulator in Rolle von Senioren versetzt
Angehende Hauswirtschafterinnen erleben das Alter

Frau mit Skibrille und Gewichten am Oberkörper auf Treppe

Das Gehen fällt ihr schwer, sie sieht schlecht und ständig fragt sie "Wie bitte?", weil sie nicht verstanden hat, was ihr Gegenüber gesagt hat. Diana Leix und ihre Kolleginnen der Landwirtschaftsschule Wertingen, Abteilung Hauswirtschaft testeten im Januar 2019 für eine Woche den von der Regierung Schwaben geliehenen Alterssimulationsanzug im Unterricht.

"Wenn ich mich mal wirklich so fühle wie jetzt mit dem Anzug, dann bin ich wirklich alt", lautete ihr Fazit. Und: "Jetzt weiß ich, warum Ältere immer so schlurfen."
Die angehenden Hauswirtschafterinnen, die später in einem Seniorenheim tätig werden können, gewannen einen Eindruck, warum man im Alter Schwierigkeiten bei alltäglichen Dingen hat. Schließlich ist eine Hauswirtschafterin auch zuständig für die Unterstützung bei Alltagsverrichtungen wie der Betreuung und Versorgung von Personen. Der Anzug fördert ein gewisses Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Situation. "Treppensteigen geht nur mit Festhalten", stellt Leix fest, die selbst schon mal in einem Seniorenheim tätig war. Sie muss genau hinsehen, wo sie ihren Fuß als nächstes hinsetzt. Die Leichtigkeit, mit der sie sich sonst bewegt, ist dahin. "Ich hab ständig das Gefühl, mich setzen zu müssen."

Der Anzug besteht aus

  • Gewichtsweste und Gewichte für Hand- und Fußgelenke, um den Eindruck von nachlassenden Kräften im Alter zu vermitteln
  • Halskrause aus Schaumstoff sowie Knie- und Ellbogenschützer, um Gelenksteifigkeit zu simulieren
  • Schallschutz-Kopfhörer, damit das Hörvermögen eingeschränkt wird
  • eingetrübte, gelb-gläserne Skibrille, die altersbedingte Sehveränderungen inklusive eingeschränktem Gesichtsfeld vortäuscht
  • Handschuhe für nachlassende Fingerfertigkeit
Zahlen an der Kasse ein Problem
Dann sollen die Studierenden auch noch so tun, als ob sie an der Supermarktkasse bezahlen müssen. Das Suchen von passenden Scheinen oder Münzen fällt schwer, wenn die Sehkraft nachlässt. "Ich strecke lieber der Kassiererin den Geldbeutel entgegen, damit sie sich die richtige Summe nimmt. Ich sehe ja kaum was", schmunzelt Claudia Wiedemann. "Jetzt weiß ich, warum das immer so lange dauert, wenn über 90-Jährige an der Kasse bezahlen wollen." Für sie ist klar geworden, dass Hochbetagte Schwierigkeiten im Alltag haben.
Eingeschränktes Sehen und Hören eine Last
"Das Schlimmste ist das eingeschränkte Hör- und Sehvermögen", sagt Katharina Fuckerer, selbst Lehrkraft an der Hauswirtschaftsschule. Die 30-Jährige testete ebenfalls den Anzug und war verblüfft, wie lange man für das Schreiben eines kurzen Textes am PC braucht.
Training im Alltag wichtig
Alle, die den Anzug ausprobierten, waren froh, dass der Spuk bald wieder ein Ende hatte. Das Ablegen des Anzuges war eine Erleichterung. Aber die Eindrücke bleiben. Sie wissen jetzt, warum Kraft-, Beweglichkeits- und Ausdauertraining im Alltag so wichtig sind: Damit sich die Einschränkungen im Alter in Grenzen halten.